Citazioni |
 |
[…] bleiben die lautlichen Bedingungen eines Lautgesetzes, mögen sie wie immer beschaffen sein, im Laufe der Zeiten konstant? Ich will darauf ohne weiteres mit einem Beispiel antworten. Einem gallo-vulgärlat. 'ā' […] entspricht neufranz. 'e' […] also 'chef', 'fève', 'pré', 'tel', 'mer', 'nez', 'ème' 'lène' = 'caput', 'faba', 'prato', 'tale', 'mare', 'naso', 'amat', 'lana'. Der folgende Konsonant erscheint hier also ganz gleichgültig, nicht aber im Altfranzösischen (das sich noch in der heutigen Orthographie widerspiegelt): 'chef' usw. jedoch 'áime', 'láine'. Wenn nun vor m und n 'ā' durch 'ai' zu 'e' geworden ist, kann dies nicht auch vor den anderen Konsonanten geschehen sein? Und wenn man ursprünglich 'chaif', 'faive', 'tail', 'mair' sagte, so ist wiederum für eine etwas jüngere Periode 'chaif', 'faive', 'tel', 'mer' denkbar, so dass in Beziehung auf die Monophthongierung des aus 'a' entstandene 'ai' verschiedene Bedingungsstufen vorliegen würden. - Schuchardt (1885), a pag.61 Da es eine Reihe von Kategorien lautlicher Bedingungen gibt, wie Akzent, Silbenstellung, Beschaffenheit des unmittelbar folgenden Lautes, des unmittelbar vorausgehenden, des zweitfolgenden usw., so besteht in jedem einzelnen Falle ein Bedingungskomplex […]. - Schuchardt (1885), a pag.59 Man ist gezwungen einzugestehen, dass die "gleichen lautlichen Bedingungen" immer erst aus jedem Lautgesetze selbst abstrahiert werden, dass ihre Verwendung als Prämisse unzulässig ist, dass sie überhaupt in der Definition von der Ausnahmlosigkeit der Lautgesetze keinen Platz haben. - Schuchardt (1885), a pag.59 Während die Junggrammatiker die Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze von einer Gleichheit der lautlichen Bedingungen abhängig machen wie sie meines Erachtens überhaupt nicht besteht, halten sie die unmittelbar gegebene Verschiedenheit der Wörter dabei für gleichgültig […] Ich halte das wenigstens in der absoluten Form wie es behauptet wird, für unrichtig […]. - Schuchardt (1885), a pag.63
|